Ageless Youth: Male Rejuvenation in American Print Cultures, 1900–1945
Ausgehend von einem Verständnis, das demokratisches Zusammenleben als sinnlich erfahrbare Praxis begreift, untersucht Alican Şimşeks Dissertationsprojekt den Diskurs um männliche Verjüngung in amerikanischen Printmedien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen dabei zwei miteinander verflochtene, wenn auch scheinbar widersprüchliche Dynamiken, die das Zugehörigkeitsgefühl männlicher Subjekte beeinflussen. Einerseits gelten Printmedien – insbesondere Zeitungen und Zeitschriften – seit langem als Räume kultureller Aushandlung, in denen Gemeinschaften und zahlreiche Bedeutungen entstehen. Die Tatsache, dass Männer dort offen über altersbedingten körperlichen „Verfall“ sprechen und diesen problematisieren konnten, verweist auf demokratische Teilhabe. Andererseits zeigt die massenmediale Verbreitung von Verjüngungspraktiken, dass biopolitische Mechanismen „ältere“ Männer dazu anhalten, hegemonialen Körpernormen zu entsprechen. Dadurch scheinen gesellschaftliche Sichtbarkeit und Partizipationsmöglichkeiten zunehmend an Vitalität, Gesundheit, sexuelle Potenz und körperliche Attraktivität gekoppelt zu sein. Die Arbeit nutzt genau dieses Spannungsverhältnis von Inklusion und Exklusion als analytischen Ausgangspunkt.
Als Primärquellen nutzt das Projekt Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren und untersucht, wie Werbeanzeigen, Erfahrungsberichte sowie Gesundheits- und Lifestylebeiträge eine „Wiederherstellung“ von Jugendlichkeit propagieren. Trotz ihrer unterschiedlichen kommunikativen Funktionen verbindet diese Textsorten der gemeinsame Versuch, lineare Vorstellungen von Zeitlichkeit herauszufordern. Besonders deutlich wird dies durch eine rückwärtsgewandte Sehnsucht nach Jugend, die zunächst im Widerspruch zur zukunftsorientierten Logik der Moderne zu stehen scheint. Es sind jedoch gerade diese spezifischen nicht-linearen Zeiterfahrungen – zusammen mit ästhetisierten Körperbildern, die in den USA zirkulierten – aus denen sich bemerkenswerte Implikationen für männliche Subjekte, Lesergemeinschaften und Männlichkeitskonfigurationen ergeben. Daher konzentriert sich die Untersuchung auf gesteigerte Selbstwahrnehmungen, die durch Modernisierungsprozesse ermöglicht wurden, sowie auf komplexe Aushandlungen darüber, was es bedeutet, „erneut“ jung zu sein. Methodisch kombiniert die Studie Close und Distant Reading und legt besonderen Fokus auf Netzwerkanalyse, um Akteure, Orte, wiederkehrende altersbezogene Ängste und Anti-Aging-Strategien transregional zu erfassen.