Elena Heller ist Doktorandin im DFG-Graduiertenkolleg „Ästhetiken der Demokratie“ unter der Betreuung von Prof.in Zhiyi Yang. Sie erwarb ihren B.A. in Sinologie und Südostasienwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt, wo sie auch ihren M.A. in Sinologie absolvierte. Zuvor arbeitete sie bei „Campus Connect: China“, wo sie Workshops zum Thema chinesische Jugendkultur plante und durchführte. Ihre zentralen Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Neue Medien, ländliches China und Armutsbekämpfung.
Projektbeschreibung
Mein Dissertationsprojekt untersucht, wie zivilgesellschaftliche Ausdrucksformen in Form von Spiel sich in der chinesischen Popkultur dialogisch entfalten und dadurch demokratische Räume erweitern. Der Medienraum in China ist durch Fluidität und Fragmentierung gekennzeichnet und wird von Zivilgesellschaft, Staat und Markt geprägt, die ein vielschichtiges (Wechsel-)Spiel aller drei bilden. Doch wie navigieren NetznutzerInnen diese komplexen und engmaschigen Machtdynamiken der Popkultur und digitalen Landschaften in China? Das zentrale Ziel dieser Arbeit ist es, dieser Frage nachzugehen. Zu diesem Zweck werden symbolische und materielle demokratische Praktiken mit und in der Popkultur sowie in digitalen Räumen durch Medienanalyse untersucht, wobei das Konzept des ‘Spiels’ als notwendiges konzeptuelles Bindeglied dient.
Spiel schafft Abstand von Ernsthaftem und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Ästhetik, wodurch sich selbst sensible Themen wie Geschlechterdynamiken oder die Schere zwischen Stadt und Land in Form von Comedy, Webromanen, Musik oder Literatur entfalten können. Popkultur spiegelt politische, gesellschaftliche und technologische Veränderungen wider, nicht durch formale Politik, sondern durch die Ästhetik des Alltäglichen. In zunehmend komplexen, beschleunigten und pluralistischen Gesellschaften entwickelt sich Spiel innerhalb der Populärkultur parallel zu diesen Veränderungen und bietet einen Raum für demokratischen Ausdruck.
In dieser Hinsicht dient die Medienlandschaft in China als besonders relevantes Beispiel. Was einst ein homogener Medienraum war, ist fragmentierter und diversifizierter geworden und lädt BürgerInnen ein, Formen von Self-Media zu nutzen, Online-Communities aufzubauen oder für ihre LieblingskandidatInnen in Castingshows abzustimmen. Diese deliberativen symbolischen Ausdrucksformen in der Popkultur mögen absurd oder alltäglich erscheinen, aber sie formen, erproben und schaffen Grenzen, wenn NetznutzerInnen sich mit unausgesprochenen Ideen und symbolischen Gesellschaftsreflexionen auseinandersetzen. Mein Ziel ist es zu erforschen, wie in Chinas sich stetig wandelnder Medienlandschaft Spiel Machtstrukturen bewegen kann, indem es demokratische Räume diversifizierter Sichtbarkeiten, Gemeinschaften und Selbstausdruck aufdeckt und erweitert.