Lorena Nauschnegg ist Doktorandin am Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ an der Goethe-Universität Frankfurt unter der Betreuung von Prof. Johannes Völz. Sie absolvierte ihr Bachelorstudium der Theater-, Film-, und Medienwissenschaft und der Amerikanistik, sowie ihr Masterstudium der Amerikanistik an der Goethe-Universität Frankfurt. Seit 2024 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schreibzentrum der Goethe-Universität tätig, wo sie bis zum Frühjahr 2026 das Writing Fellow-Programm koordinierte und derzeit für englischsprachige Angebote zuständig ist. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der nordamerikanischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, der kontemporären Literaturtheorie (mit einem besonderen Fokus auf Narratologie und Rezeptionsästhetik) und der Schnittstelle zwischen Literatur und (politischer) Ästhetik.

Contemporary Autofiction and the Aesthetics of Ambiguity

Kann Literatur demokratisch sein – nicht nur inhaltlich, sondern auch in ihrer Form? Wie könnte eine solche demokratische literarische Form aussehen? Und wie prägt oder ermöglicht Literatur sinnliche, affektive Erfahrungen des demokratischen Lebens? Dies sind einige der zentralen Fragen, die mein Dissertationsprojekt Contemporary Autofiction and the Aesthetics of Ambiguity leiten. Mit einem Fokus auf die zeitgenössischen Autofiktion, untersucht mein Projekt wie literarische Texte Räume und Stimmungen schaffen, in denen demokratische Praktiken, Gefühle und Ideen zum Ausdruck kommen. In der Autofiktion, so die These meines Projekts, liegt der Schlüssel zum demokratischen Potenzial der Texte in dem, was ich als eine „Ästhetik der Ambiguität“ bezeichne: ein literarischer Stil und eine narrative Form, die eindeutige Kategorien ins Wanken bringt und stattdessen einen Zwischenbereich, ein „Dazwischensein“, betont und mit der daraus resultierenden Ungewissheit spielt.

Der Ausgangspunkt meines Projekts ist die Schnittstelle zwischen der spezifischen narratologischen Form der Autofiktion, ihren übergeordneten Themen der (auktorialen) Selbstinszenierung und Selbstbestimmung, sowie dem soziokulturellen Kontext der Entstehung des Genres, insbesondere den Strukturen und Auswirkungen der (Post-)Moderne und des Neoliberalismus. Anhand einer Analyse verschiedener Autofiktionen – darunter Werke von Sheila Heti, Rachel Cusk, Ocean Vuong, Elif Batuman und Valeria Luiselli – und unter Rückgriff auf vielfältige analytische Perspektiven – wie etwa die Einordnung der Autofiktion in die ihr vorausgehende Literaturgeschichte, eine Untersuchung des Verhältnisses zwischen ästhetischem Urteil und literarischem Markt, sowie eine Erforschung der (erzählerischen) Stimme in autofiktionalen Texten und des partizipativen Leseaktes, den diese Texte anregen – zielt mein Projekt darauf ab, ein Untersuchungsfeld zu schaffen, das einerseits das Verhältnis zwischen der Autofiktion und dem kontemporären soziokulturellen Moment und andererseits die umfassendere Rolle der Ambiguität für und in einer demokratischen Kultur aufzeigt und entflechtet.