Omer Oushia ist Doktorand im Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt. Die Betreuung übernimmt Prof. Dr. Sophie Loidolt. Seine Forschung bewegt sich im Schnittfeld von kontinentaler Philosophie und moderner Literaturtheorie mit einem Schwerpunkt auf dem Verhältnis von Politik, Ästhetik und Sprache. Sein Dissertationsprojekt untersucht die akustische Dimension demokratischen Lebens und nimmt dabei Hannah Arendts Überlegungen zu Sprechen, Erzählen und Theater zum Ausgangspunkt. Im Zentrum steht die Frage, wie Stimme, Rhythmus und Hörbarkeit politische Erfahrung und demokratische Teilhabe prägen und inwiefern sich demokratische Öffentlichkeit nicht nur als Raum des Sichtbaren, sondern auch als ein Raum des Hörens und Gehörtwerdens verstehen lässt.
Klangliche Transformationen: Hannah Arendt und die Politik stimmlicher Resonanz
Das Projekt untersucht die akustische Dimension demokratischen Lebens und nimmt dabei Hannah Arendts Überlegungen zum Sprechen, Erzählen und Theater zum Ausgangspunkt. Es setzt bei Arendts Deutung von persona als per-sonare an—als dasjenige, wodurch die Stimme hindurchtönt—und hebt damit eine Verschiebung hervor: von der Stimme als innerem Ruf des Gewissens hin zu einer nach außen gerichteten, resonanten Bewegung innerhalb eines Raums der Pluralität. Gegen philosophische Traditionen, die die Stimme in Innerlichkeit, Gesetz oder Endlichkeit verorten, geht das Projekt der Frage nach, wie stimmlicher Ausdruck ein geteiltes, intersubjektives Feld konstituiert, in dem sich politische Erfahrung formiert.
Im Fokus steht das Phänomen der stimmlichen Resonanz anhand dessen Demokratie als eine sinnliche und performative Konfiguration begriffen wird, die nicht allein durch Sichtbarkeit und Diskurs, sondern auch durch Praktiken des Hörens, der Hörbarkeit und der klanglichen Exponiertheit strukturiert ist. Untersucht werden dabei Spannungen in Arendts Verständnis politischer Rede—zwischen Artikulation und Kontrolle einerseits sowie Vulnerabilität, Unterbrechung und Dissonanz andererseits—im Dialog mit Denkern wie Aristoteles, Rousseau, Benjamin und Blanchot.
Strukturell verfolgt das Projekt die Transformation der Stimme in drei für Arendts Werk zentralen Bereichen: Sprechen, Erzählen und Theater. Auf diese Weise entwickelt es eine Konzeption des Politischen als Resonanzraum, in dem Stimmen nicht nur Positionen ausdrücken, sondern Beziehungen stiften. Indem es die akustischen Bedingungen von Pluralität in den Vordergrund rückt, trägt das Projekt zum Fokus des Graduiertenkollegs auf die ästhetischen Dimensionen demokratischen Lebens bei, insbesondere im Bereich des Handelns, in dem politische Formen durch Prozesse der Formierung, Unterbrechung und Erneuerung hervorgehen.