Tarika Johar ist Kunsthistorikerin und Doktorandin im Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ an der Goethe-Universität Frankfurt. An der Schnittstelle von Kunstgeschichte, Kunsttheorie, Ästhetik und politischer Philosophie untersucht sie sinnliche Dimensionen demokratischen Zusammenlebens, die sich in der Ästhetik von Kunstwerken artikulieren. Weitere Forschungsschwerpunkte liegen in der Medientheorie, digitalen Bildkulturen, ökologischen Diskursen und transnationalen Studien.
Neben ihrer Forschung schöpft sie aus beruflichen Erfahrungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität sowie aus ihren kuratorischen und publizistischen Tätigkeiten im Bereich der Gegenwartskunst. Sie engagierte sich ehrenamtlich im International Performance Art Archive (heute Teil des documenta archivs, Kassel) und organisierte die Performance-Reihe „Exbodiment“ in Gießen und Köln. Für ihre Masterarbeit erhielt sie den Benvenuto Cellini-Preis.
Kohäsion, Adhäsion und Politiken der Relation
Mein Dissertationsprojekt untersucht Bindungen in der Gegenwartskunst. Ziel ist es, Politiken der Relation als Ästhetiken demokratischen Zusammenlebens in der Kunstgeschichte lesbar zu machen.
Um die sinnlichen Dimensionen gegenwärtiger Demokratien zu untersuchen, nutze ich das konzeptuelle Begriffspaar Kohäsion und Adhäsion. Kohäsion wird üblicherweise ganzheitlich verstanden und bezeichnet den Zusammenhalt in einem Inneren, etwa in einem Stoff, einer Gesellschaft oder einem Staatenverbund. Adhäsion fokussiert dagegen materielle, affektive und körperliche Prozesse des Aneinanderhaftens, der Berührung und Verbindung von Verschiedenem an Grenzen und in Zwischenräumen. Die analytische Verschränkung von Kohäsion und Adhäsion bietet ein ästhetisches Vokabular zur Beschreibung von Politiken der Relation entlang unterschiedlicher Skalierungen und Modi der Bezugnahme (Innen, Außen) und ermöglicht zugleich, die Intensität von Bindungen zu erfassen.
Zwei Fallstudien aus der bildenden Kunst, die in den Kontaktzonen einer europäischen und einer südasiatischen Demokratie angesiedelt sind, bilden den Ausgangspunkt meiner Untersuchung: die Ausstellung „Basic Needs“, die auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover gezeigt und von dem indischen Szenografen Rajeev Sethi inszeniert wurde, sowie die Intervention „It’s All Rheydt“ (2011) des deutschen Künstlers Gregor Schneider während des Durga Puja-Festivals in Kolkata, das zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Beide Projekte sind Teil der jüngeren Geschichte deutsch-indischer Relationen und ereigneten sich in Jahren, in denen die Partnerschaft beider Demokratien gestärkt wurde.
Publikationen
„ASMR“. Glossar der Gegenwartsästhetik, hg. von Moritz Baßler, Heinz Drügh, Nathan Taylor, Konstanz University Press, im Erscheinen.
„Pole Bending“. Pole Bending. Romina Abate und Anna Holzhauer, Basis e.V. Frankfurt, 2024, S. 7–13.
„EXBODIMENT. Performance-Reihe mit dem International Performance Art Archive“. Kunsthalle Gießen, 2022.
„1981/2021. Einführung“. 1 Monat experimentelles Arbeiten, hg. von Boris Nieslony und Michael Stockhausen, International Performance Art Archive, 2021, S. 8–12.
„Kasia Fudakowski, Continuouslessness Travel Edition“. Klosterfelde Edition, 2021.
„Ursula Schulz-Dornburg“. Bild Macht Religion – Kunst zwischen Verehrung, Verbot und Vernichtung, hg. von Hans Günter Golinski, Kunstmuseum Bochum, 2019, S. 68–70.
„Sarah Księska. The role of figuration in times where people increasingly abstract themselves from their own physicality“. KubaParis, 2019.
„Black Audio Film Collective & John Akomfrah: Expeditions – Signs of Empire“. Studiengalerie 1.357, 2019.
„Gentle Heterodoxy. Social Body and its Enchantments“. Passe-Avant, 2019.
„Cemile Sahin. Für immer ist immer schrecklich“. KubaParis, 2018.
Kuratorische Projekte
„EXBODIMENT. Performance-Reihe mit dem International Performance Art Archive, 2022, Kunsthalle Gießen.
„One Month of Experimental Work 1981/2021“, Performance-Festival, Köln, 2021 (kuratiert mit Boris Nieslony, Evamaria Schaller).
„tracing echoes. Sonia Knop, José Montealegre, Esteban Sánchez“, fffriedrich, Frankfurt am Main, 2019 (kuratiert mit Seda Pesen, Sarah Müller).
Lehre
Von Massenmedien bis Social Media: Künstlerische Bild- und Medienreflexion, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität Frankfurt, 2025.
Das Planetarische in der Gegenwartskunst, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität Frankfurt, 2025/2026.