Werkstattgruppen
Die Werkstattgruppen umfassen fokussierte Kleingruppen von drei bis vier Personen, in denen Doktorand*innen gemeinsam mit Professor*innen allgemeine Forschungsfragen zum Thema des Graduiertenkollegs in den Blick nehmen, die mit ihren Dissertationsthemen konvergieren.
Voice and Rhythm
Der Ausgangspunkt unserer Arbeitsgruppe ist die These, dass Demokratie nicht in erster Linie als Raum der Sichtbarkeit, der Diskursivität oder der Deliberation verstanden werden kann, sondern als akustisches Feld, das durch Nachhall, Resonanz und die Streuung des Hörbaren strukturiert ist. Ihr Ethos liegt nicht in einem selbstbezogenen, vorsätzlichen Blick, der eine sichtbare Ordnung der Repräsentation verwaltet, sondern in einer zaghaften, exponierten Pluralität von Stimmen, die rekonfigurieren was es bedeutet, in der Öffentlichkeit zu erscheinen und sich zu zeigen. In Anlehnung an Blanchots Behauptung, dass „sprechen nicht sehen ist“, hängt Demokratie möglicherweise von der Fähigkeit ab, ohne die Gewissheit der Sichtbarkeit zu sprechen und einen Raum innezuhaben, in dem das Ertönen einer autoritativen Anerkennung vorausgeht.
Time
Wie prägen zeitliche Erfahrungen demokratische Praktiken, Formen des Zusammenlebens und Prozesse der Sinnstiftung? Diese übergeordnete Fragestellung leitet die Arbeitsgruppe „Ästhetiken der Zeitlichkeit“, die ausgehend von kritischen Ansätzen zum Begriff der Zeit dominante Narrative von Linearität, Fortschritt und Moderne hinterfragt. Dabei eröffnen interdisziplinäre Perspektiven neue Zugänge zu zeitlichen Ambivalenzen, Disruptionen, Zukunftsvorstellungen und damit verbundenen Kontingenzen. Die einzelnen Dissertationsprojekte, die von Alterungs- und Verjüngungsdiskursen über zeitgenössische literarische Neuerzählungen bis hin zu queeren und HIV-bezogenen Temporalitäten reichen, untersuchen die vielfältigen Schauplätze, an denen Zeit Subjektivität konstituiert.
Bonds
Die Werkstattgruppe Bonds untersucht, was Menschen und Dinge zusammenhält. Bonds bedingen, begrenzen und verkomplizieren demokratisches Zusammenleben. Der Begriff eröffnet ein weites semantisches Feld: von Verbindlichkeit, Verpflichtung und Schuld über Zuverlässigkeit und Beschränkung bis hin zu Anziehung, Anhaftung und Gravitation. Ausgehend von Perspektiven der Filmwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie bündelt und analysiert die Gruppe begriffliche Ansätze, um Bindungen beschreibbar zu machen. Verbindende und Verbindlichkeit stiftende Orte, Objekte und Bilder sind ebenso Teil der Untersuchung. Die Ergebnisse fließen in ein wachsendes "Glossary of Bonds" ein.
Appearances
Erscheinungen mögen unmittelbar und selbstverständlich wirken, doch die Bedingungen, unter denen wir erscheinen, wahrgenommen und anerkannt werden, sind andere. Wer erscheint, für wen und unter welchen Bedingungen, wird stets bereits durch soziale, ästhetische und politische Kräfte geprägt. Darauf basierend, möchten wir Fragen der Repräsentation und der Zuschauerschaft erkunden. Hierbei soll die grundlegende Rolle anerkannt werden, welche ästhetische und sensorielle Elemente bei der Entstehung unserer gemeinsamen politischen Welt spielen.