‚Bonds‘ bezeichnen innere Verbundenheit – etwa eine enge Beziehung, die zwei oder mehrere Menschen oder Dinge miteinander verknüpft und häufig mit Verpflichtung und Verbindlichkeit einhergeht. In Verwandtschaftsverhältnissen, Partnerschaften, Gemeinschaften, Gesellschaften und Staaten stiften sie Verbindungen. Zugleich manifestieren sie sich als institutionelle Formen: als schriftliche Vereinbarungen, als Finanzinstrumente, die Schulden, Vertrauen und Haftbarkeit formalisieren oder als rechtliche Vereinbarungen, die Rechenschaftspflichtigkeit zusichern. Materiell und strukturell markieren sie die Stelle, an der getrennte Teile durch Adhäsion, Bindekräfte oder eine äußere Verbindung zusammengefügt werden.

Die Werkstattgruppe Bonds untersucht, was Menschen und Dinge zusammenhält. Bonds bedingen, begrenzen und verkomplizieren demokratisches Zusammenleben. Die Ergebnisse fließen in ein wachsendes ‚Glossary of Bonds‘ ein.

In der ersten Phase unserer Arbeitsgruppe untersuchen wir zwei Aspekte: 1) Gemeinschaft und ihre Darstellung, 2) das Verhältnis zwischen Beschränkung und Verpflichtung. Um den ersten Aspekt zu untersuchen, diskutieren wir die Problematik des sensus communis mit Hinsicht auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 (Thierry de Duve), die bindende Funktion symbolischer Handlungen für Städte, Staaten, und Konflikte (Barbara Stollberg-Rilinger), die fragliche Möglichkeit der Verwirklichung von Gemeinschaft (Jean-Luc Nancy), sowie das Konzept der Milieuwelt als Schauplatz menschlicher Verbindungen (Aron Gurwitsch). Unter dem zweiten Aspekt fokussieren wir bürgerliche affektive Mechanismen, die bestimmte Beziehungen ausschließen (Henrike Kohpeiß), die relationalen Netze, die durch die Form der Stadt gesponnen werden (Lin Lofland), sowie die spezifische Orientierung, die sich in queeren Formen von Bindungen zeigt (Sara Ahmed).

Über die theoretische Auseinandersetzung hinaus möchte unsere Werkstattgruppe in den Dialog mit der Öffentlichkeit treten. Eine Veranstaltungsreihe, beginnend mit einem Filmscreening (Details folgen in Kürze) untersucht, wie Gegenstände der visuellen Kultur, wie beispielsweise das Ornamentale in der Architektur, Fragen nach Bindungen, Abhängigkeiten und Relationalität aufwerfen.

Ob Teilnahme an den Diskussionen oder eine Beteiligung am Glossary of Bonds – wir freuen uns über jedes Interesse. Kontakt:

Anna Bitter: bitter@em.uni-frankfurt.de

Tarika Johar: johar@em.uni-frankfurt.de

Julius Schwarzwälder: julius.schwarzwaelder@tu-darmstadt.de

Sophie Loidolt: sophie.loidolt@tu-darmstadt.de